Das Gemeindehaus der ehemaligen Lazarusgemeinde (Lazarus-Haus) zum Andreas-Haus Grundsteinlegung: 5. Oktober 1930 (Erntedanktag) Einweihung: 25. Oktober 1931 zu den Kirchen Architekt: Regierungsbaumeister a.D. Hans Jessen Schrittweiser Umbau zum Kirchsaal in den 50er Jahren Altarwand: Georg Hadeler Anfang der 30er Jahre war die Lazarusgemeinde mit 70.000 Mitgliedern größte Gemeinde Berlins. Um für die verschiedenen Zwecke entsprechende Räume zur Verfügung zu haben, wünschte man sich den Bau eines Gemeindehauses und beauftragte den namhaften Regierungsbaumeister a.D. Hans Jessen,einen Ver- treter des modernen Bauens. Da Jessen kurz nach der Grundsteinlegung starb, wurde der Bau unter Leitung des Architekten March fertiggestellt, der später mit der Planung der Bauten für das Reichssportfeld (Olympiastadion, Marathon-Tor, Waldbühne...) berühmt wurde. Das Gemeindehaus zählte seinerzeit zu den ar- chitektonisch wie funktional modernsten Bauten der Umgegend. In der Nachkriegszeit hatte das Bezirksamt Friedrichshain versucht, in den Besitz des Gemeindehauses zu kommen und den Saal für kulturelle Veranstaltungen und als Kino genutzt. Um einer Enteignung durch den SED-Staat zuvorzukom- men, entschloss sich die Gemeinde zur Umgestaltung des Kirchsaals. Seinen Abschluss fand das Projekt 1960 mit der Neugestaltung der Altarwand, des Altars mit Leuchtern und Kreuz, der Kanzel, desTaufbeckens und der Kirchenbänke. Die Altarwand mit einem Kreuz aus Straßenbahnschienen gestaltete der junge Kunststudent Georg Hadeler, der später Kunstprofessor an der königlichen Akademie in Den Haag (bis 2001) wurde. Neben der Male- rei widmet sich Hadeler der Litho- graphie; seine Werke werden welt- weit ausgestellt. Anlässlich des 110. Jubiläums schenkte er der Lazarus-Gemeinde eine farbige Lithographie (im Gemeindebüro zu besichtigen) und schrieb seine Erinnerungen an das Projekt für die Festschrift 2006 nieder: “Der gegebene Raum war sehr rechteckig, ich habe darum probiert, mit verti- kalen Linien einen spielerischen Effekt zu erreichen. Da diese Linien in den Beton eingeschnitten sind, entsteht durch das wechselnde Licht von den Seiten her eine Veränderung des Schattens! Von West-Berlin aus, wo ich bei einem Freund wohnen konnte, machten wir mit dem Auto verschiedene Besuche via Check- Point Charlie zur Marchlewskistraße. Ich war damals so naiv, um leere Konservenbüchsen mitzunehmen, um Farbtöne mischen zu können, und ein großes Paket Tempo-Taschentücher zum Saubermachen! Wir haben fast 3 Stunden an der Grenze warten müssen, alle Etiketten wurden entfernt und auf geheime Nachrichten untersucht. Auch das große Tempo- Taschentuchpaket wurde total auseinandergerissen. Der Kommentar war: Wofür haben Sie diese Konservenbüchsen nötig? Ich sagte: Zum Farbenmischen. Darauf bekam ich als Antwort: Die haben wir in der DDR auch. Spontan habe ich gesagt: Dann können Sie die leeren Büchsen hier behalten. Das hätte ich nicht sagen dürfen, sagte mein Berliner Freund, so konnten wir warten … warten. Als die Kirche fertig war, hatte ich mitten in der Kirche ein Gespräch mit dem Pastor. Wir haben über alles Mögliche gesprochen, natürlich auch über Politik, während der Organist mit voller Lautstärke gespielt hat. Dies war nötig, um nicht abgehört zu werden! Heute kann man sich dieses nicht mehr vorstellen! Ich habe bis heute nicht vergessen können, wie machtlos man sich bei einem Grenzübergang fühlen kann.” Das Gemeindehaus der ehemaligen St. Andreas-Gemeinde (Andreas-Haus) zum Lazarus-Haus Die Errichtung des Andreas-Gemeindehauses, ein Bau von 1911, ist ein Beispiel für die Förderung kirchlicher Arbeit durch industrielle Geldgeber. Im Fall von St. Andreas war es die "Francke-Pintsch-Stiftung", die wesentlich zur Finanzierung und Realisierung beitrug. Nach dem Verlust der Kirche wurde das Gemeindehaus Zentrum des gemeindlichen Lebens und Gottesdienststätte. Das heutige Erscheinungsbild des Kirchsaals mit einem Fassungsvermögen von bis zu 250 Personen geht auf einen grundlegenden Umbau 1955 zurück; dementsprechend ist die Ausstattung mit Altar, Kanzel, Taufe, Bestuhlung und Orgel. Beleuchtung und Wandbehang im Altarraum (Symbolisierung des von Gott gespendeten Lichts) stammen von 1997. Im Jahre 2001 wurde der Kirchsaal renoviert und mit zusätzlicher Seitenbeleuchtung sowie umlaufenden Vorhän- gen für verschiedene Raumaufteilungen versehen.
Lazarus-Gemeindehaus nach der Sanierung 2013
Evangelische Kirchengemeinde St. Markus in Berlin-Friedrichshain
Lazarus-Gemeindehaus nach der Sanierung 2013