Evangelische Kirchengemeinde St. Markus in Berlin-Friedrichshain
„Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan.“ (2. Mose 15,20 f.) „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesän- gen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.“ (Kolosser 3,16) Schon in den Büchern des Alten Testaments spielt Musik eine zentrale Rolle bei der Verehrung Gottes. Die Psalmen, die wir in unseren Gottesdiensten meist nur lesen, wurden vorgesungen und von Instrumenten begleitet. Pauken, Hörner und andere Blas- ebenso wie Saiteninstrumente erklangen in den Gottesdiensten der Israeliten zum Lobpreis Gottes. Auch aus unseren Gottesdiensten ist die Kirchenmusik nicht wegzudenken. Im Hören auf den Klang vor allem der Orgel, der Königin der Musikinstru- mente, wie im Mitsingen und Mitmusizieren werden wir von der Musik und den von ihr transportierten Texten oft mehr berührt als von Lesungen und Predigten. Stärker als das gesprochene Wort erreicht in vielen Fällen die Musik unser Herz und erweist sich so als ein wichtiges Werkzeug der Ver- kündigung. Zugleich können wir mit Musik und Gesang Gotteslob und Danksagung meist viel intensiver ausdrücken als mit Gebetstexten. Wie Luther es „Frau Musica“ in EG 319, 4 in den Mund legt: Gott „ehrt und lobt auch mein Gesang und sagt ihm einen ewgen Dank“. Kirchenmusik kann dabei auch ein verbindendes Element zwischen ganz verschiedenen Menschen in einer Gemeinde sein. Menschen unterschied- licher Herkunft und Bildung, Menschen aus unterschiedlichen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen, alte und junge Menschen erfahren im gemeinsamen Singen und Musizieren die Gemeinde als wirkliche Gemeinschaft, in der die Unter- schiede nichts Trennendes mehr haben, sondern das Gemeinsame in den Vordergrund tritt: der Glaube, die Liebe zu Gott, die Freude, zu seiner Ehre Musik zu machen. So kann dann jede Einzelne und jeder Einzelne in die Worte Paul Gerhardts (EG 324, 1) einstimmen: „Ich singe Dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von Dir bewusst“. In unserer Gemeinde war dieser wichtige Teil des Gemeindelebens aller- dings eine ganze Zeit lang Not leidend. 1989 verließ der langjährige Kantor Helmut Oelke (der Vater unseres heutigen Kantors) die St. Andreas-St. Markus-Gemeinde. Danach gab es nur noch zeitlich befristete Vertretungs- lösungen. Auch in der Lazarus-Gemeinde bestand für lange Zeit eine Vakanz auf der Kantorenstelle, die durch Vertretungen und ehrenamtlichen Einsatz nur begrenzt ausgefüllt werden konnte. Die innergemeindliche Musik- arbeit wie das Wirken in die Öffentlich- keit mit Konzerten und anderen musika- lischen Veranstaltungen litt darunter empfindlich. Im Mai 2009 konnte jedoch endlich wieder eine Kirchenmusikerstelle besetzt werden. Seitdem ist Kantor Sebastian Oelke für St. Markus tätig. Inzwischen hat es Fortschritte gegeben, die auch für die Zukunft Mut machen. Die Chorarbeit wurde wieder aufgebaut und auch andere kirchenmusikalische Aktivitäten konnten wieder fachkundig unterstützt werden. Vor allem aber wurden unsere Kirchenorgeln in neuer Qualität bespielt. Beide Kirchsäle der Gemeinde verfügen über eine eigene Orgel. Die 1959 erbaute A. Schuke-Orgel im Lazarus-Haus wird wieder für Orgelkonzerte genutzt. Die barock-gehaltene Klangdisposi- tion und Traktur eignet sich besonders für Orgelwerke von J.S. Bach. Die L. Glöckner- Orgel (1955 erbaut) im Andreas-Haus wird zu Chormusiken eingesetzt und bildet – da nicht auf einer Empore gelegen – einen markanten Blickfang für die Besucher des Kirchsaals. Unter unserem neuen Kantor gilt wieder, was Luther 1534 schrieb: „Wenn Ihr traurig seid, greift frisch in die Tasten und singet drein, bis die Gedanken vergehen, wie David und Elisäus taten. Kommet der Teufel wieder und gibt Euch ein Sorge oder traurige Gedanken ein, so wehret Euch frisch und sprecht: Aus, Teufel, ich muss itzt meinem Herrn Christo singen und spielen.“